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Interview mit Felix Gutzwiller

FDP-Politiker Felix Gutzwiller gehört zu den Unterstützern der Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten». Im Interview wollte Swisstransplant von ihm wissen, warum er sich für die Initiative einsetzt und wo er die Vorteile eines Systemwechsels sieht.

Was ist Ihre Motivation, die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» zu unterstützen?

Als einziger Ständerat, der gleichzeitig Politiker und Arzt war, interessierte und engagierte ich mich schon immer für Gesundheitsthemen wie die Organspende. Das Ungleichgewicht zwischen Anzahl Menschen auf der Warteliste und Spendebereitschaft in der Bevölkerung stellt in meinen Augen einen Notstand dar, der mich zum Handeln bringt.

Welchen Vorteil sehen Sie in der Einführung der vermuteten Zustimmung?

Natürlich kann man die Zahl gespendeter Organe nicht aktiv erhöhen, da eine Organspende – Lebendspenden einmal ausgenommen – den Tod eines Menschen voraussetzt. Was man aber durchaus verändern kann ist, ob sich die Menschen zu Lebzeiten zur Organspende äussern oder nicht. Hier setzt die Initiative an. Es ist sehr schwierig für die Angehörigen eines potenziellen Organspenders, eine Entscheidung für oder gegen Organspende zu treffen, wenn nicht klar ist, was der Verstorbene gewollt hätte. Die Initiative sorgt für eine Entlastung der Angehörigen, indem sie die Menschen zu einer Willensäusserung bewegt. So wird Klarheit geschaffen.

Welche Effekte erhoffen Sie sich durch das Zustandekommen der Initiative?

In meinen Augen ist die vermutete Zustimmung ein besseres Abbild der Grundhaltung der Bevölkerung die sagt: Es ist eigentlich normal, dass ich zum Spenden bereit bin. Ich könnte ja auch einmal in die Lage kommen, ein Organ zu empfangen. Für mich war diese ethische Grundhaltung immer klar – Geben und Nehmen. Durch die Annahme dieser Initiative würden wir als Gesellschaft unsere positive Grundhaltung zur Organspende bekunden. Es ist niemand verpflichtet, nach seinem Tod Organe zu spenden. Durch den Eintrag in ein Register erhalten alle, die der Organspende ablehnend gegenüberstehen, die Sicherheit, dass ihre Organe nicht entnommen werden. Die Grundannahme wird aber so geändert, dass man im Normalfall von einer Zustimmung ausgeht. Jeder erhält also die Sicherheit, dass sein Wunsch berücksichtigt wird.

Wagen wir einen Ausblick: Inwieweit denken Sie, könnten grosse Parteien uns bei der Sammlung der Unterschriften und dem Vorantreiben der Initiative unterstützen?

Die Frage, ob wir einen Systemwechsel zur vermuteten Zustimmungslösung wollen, ist eine gesellschaftspolitische Angelegenheit, es geht hier nicht um links oder rechts. Deshalb könnten alle Parteien die Initiative unterstützen.


Zur Person
Felix Gutzwiller ist emeritierter Medizinprofessor der Universität Zürich. Er war 16 Jahre Mitglied im eidgenössischen Parlament für die FDP, von 1999 bis 2007 als Nationalrat und von 2007 bis 2015 als Ständerat. Im September 2010 reichte er ein Postulat «Für mehr Organspender» Ständerat ein, in welchem er den Bundesrat aufforderte, verschiedene mögliche Massnahmen zur Erhöhung der Spenderate in der Schweiz zu prüfen, unter anderem die Einführung der vermuteten Zustimmung (Widerspruchslösung). Der Bundesrat war bereit, die Frage der Widerspruchslösung und andere Massnahmen zu prüfen. Im März 2013 lancierte der Bundesrat den Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» ohne Widerspruchslösung. Der Aktionsplan wird im Herbst 2018 abgeschlossen.


Swisstransplant (Katrin Uhlmann)

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