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Die Schweiz im internationalen Vergleich

Eine Studie des Europarats, unter der Leitung von Swisstransplant, hat die Effizienz nationaler Organspendeprogramme in 27 europäischen Ländern und den USA untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass es in der Schweiz noch Optimierungspotential gibt, auch wenn wir uns im internationalen Vergleich im vorderen Drittel bewegen.

Seit 2014 ist Swisstransplant durch PD Dr. med. Franz F. Immer als Delegierter der Schweiz aktiv im Europarat vertreten. In dieser Funktion leitet er eine internationale Arbeitsgruppe im Rahmen des Council of Europe’s European Committee on Organ Transplantation, welcher neben der Schweiz Frankreich, Italien, Slowenien, Spanien und die Niederlande angehören. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es zu untersuchen, welche Massnahmen zur Erhöhung der Organspenderzahlen in den Mitgliedsländern des Europarats umgesetzt wurden und ob diese erfolgreich waren. Zu diesem Zweck wurde ein Fragekatalog für eine Erhebung unter den Mitgliedsländern entwickelt und in einer in der Fachzeitschrift Transplantation erschienenen Studie die Spendeeffizienz in 28 Ländern untersucht.

Potential für die Organspende wird untersucht

Die am häufigsten verwendete Kennzahl für den internationalen Vergleich des Spendenaufkommens ist die Anzahl Organspender pro Million Einwohner, abgekürzt pME. Diese Spenderate pME ist ein Vergleichswert der zeigt, wie gross die Spendeaktivität in einer Region oder in einem Land ist – und hier gibt es international beträchtliche Unterschiede. Die Spenderate hat den Vorteil, dass sie einfach berechnet werden kann und die Basis für den Vergleich liefert, wie viele Spender in einem Jahr in verschiedenen Ländern zu verzeichnen waren. Der Nachteil dieser Berechnung ist jedoch, dass sie nur einen sehr groben und daher wenig aussagekräftigen Vergleich zulässt. Denn die in einem Land lebende Bevölkerung kann nur im weitesten Sinne als Ausgangswert für die Organspende nach Hirntod oder Herz-Kreislauf-Stillstand betrachtet werden, da für eine solche Spende aus medizinischen Gründen nur ein sehr kleiner Teil aller Verstorbenen überhaupt in Frage kommt. Will man analysieren, wie gut das Potential für die Organspende ausgeschöpft wird, ist es unumgänglich, dass man dieses zuerst bestimmen oder zumindest realistisch einschätzen kann. Genau dies wurde nun in der Studie «Evolution of deceased organ donation activity vs. efficiency over a 15 year period: an international comparison» der oben erwähnten Arbeitsgruppe untersucht.

Beachtliche Unterschiede innerhalb von Europa

Das Potential für die Organspende wurde in dieser Studie anhand der jährlichen Todesfälle bestimmt, welche auf Schlaganfälle, anoxische Hirnschäden sowie schwere Schädel-Hirntraumata bei Verkehrsunfällen zurückzuführen sind. Dabei hat sich gezeigt, dass es innerhalb von Europa beachtliche Unterschiede zwischen den Ländern in Bezug auf die Sterblichkeit dieser für die Organspende relevanten Todesursachen gibt. Am höchsten war sie in Bulgarien, Lettland und Rumänien, am niedrigsten in der Schweiz, Luxemburg und Irland; in Bulgarien war sie rund sechsmal höher als in Irland. Dies lässt vermuten, dass das Potential für die Organspende nach Hirntod oder Herz-Kreislauf-Stillstand in Ländern mit einer höheren Sterblichkeit bei den ausgewählten Todesursachen grösser ist als in den anderen Ländern. Ein Vergleich der Spenderate pME ergibt daher ein verzerrtes Bild der Situation der Organspende in den verschiedenen Ländern und ist nicht für eine Beurteilung der Spendeeffizienz geeignet.

Der Donor conversion index DCI

Das Kernelement der Studie und des internationalen Vergleichs ist der sogenannte «Donor conversion index» (DCI). Dieser Wert zeigt, wie viele Organspender aus einhundert Todesfällen resultieren, welche für eine Organspende in Frage kommen. Mit dem DCI wird – im Gegensatz zur Spenderate pME – die Anzahl Organspender pro Land in ein Verhältnis zum Potential gebracht. Dies lässt die Effizienz verschiedener nationaler Organspendeprogramme ermitteln und vergleichen: Denn eine hohe Spenderate pME bedeutet nicht automatisch, dass ein Land auch tatsächlich über ein effizientes Organspendewesen verfügt. Ebenso lässt sich aus einer niedrigen Spenderate pME nicht zwingend auf mangelnde Effizienz schliessen, sondern sie ist möglicherweise Ausdruck davon, dass das Potential auch entsprechend gering ist.

Stetige Förderung der Organ- und Gewebespende

Auf nationaler Ebene wird sich Swisstransplant weiterhin dafür einsetzen, das Organ und Gewebespendewesen in der Schweiz zu optimieren: Unter anderem durch die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung im Organspendeprozess involvierter Fachpersonen, sowie durch eine Verbesserung der Prozesse in enger Zusammenarbeit mit den Spitälern, beispielsweise bei der Entwicklung und Einführung von Mindestanforderungen.

Ausgewählte Länder im Vergleich: Spendeeffizienz

Im internationalen Vergleich der Spendeeffizienz zwischen 2001–2015, hat Spanien am Ende der Studienperiode den höchsten DCI-Wert erreicht (5.0%), gefolgt von Frankreich und den USA (beide 3.9%). Die Schweiz liegt mit 2.7% auf Platz sieben von 28 untersuchten Ländern. Neben Frankreich hat von unseren Nachbarländern nur Österreich eine (leicht) höhere Spendeeffizienz mit einem DCI-Wert von 3.0% und ist somit auf Platz sechs in der Länderrangliste. Die Effizienz im italienischen und deutschen Spendewesen liegt hingegen mit 1.8% respektive 1.2% deutlich hinter derjenigen der Schweiz zurück.

Literaturhinweis

Weiss J, Elmer A, Mahíllo B, Domínguez-Gil B, Avsec D, Nanni Costa A, Haase-Kromwijk B, Laouabdia K, Immer FF, on behalf of the Council of Europe European Committee on Organ Transplantation (CD-P-TO). Evolution of deceased or-gan donation activity vs. efficiency over a 15 year period: an international comparison. Transplantation. Forthcoming 2018.


Swisstransplant (Julius Weiss)

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